Screamin‘ Jay Hawkins, Tom Waits und andere …

Er nickte. Lange schwiegen sie. Stephan ahnte, dass Suzanne mit ihren Erinnerungen beschäftigt war und wagte nicht, sie mit weiteren Fragen zu behelligen.
Um die Stille zu übertönen, suchte er im Radio nach etwas Musik. Überall lief dieselbe eintönige Unterhaltungsberieselung. Endlich fand er einen Sender, der Oldies spielte, Screamin‘ Jay Hawkins, Tom Waits und andere raukehlige Sänger, die ihn an durchzechte Nächte seiner Studentenzeit erinnerten.

aus: Norbert Krüger, Das Ende der Leichtigkeit, Hassloch: Freunscht Media Verlag, 2012, S. 11

Screamin‘ Jay Hawkins

Ohne Zweifel das bekannteste Lied von Screamin‘ Jay Hawkins ist „I put a spell on you“. Hawkins spielte das Lied bereits 1955 zum ersten Mal ein, hatte damals aber kaum Erfolg mit dem Song. Als er ein Jahr später zu einem neuen Label wechselte, kam Jalacy Hawkins, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, derart betrunken zur Aufnahmesession, dass die Neueinspielung des Songs vor allem durch sein alkoholumnebeltes Schreien, Rufen und Grunzen von sich Reden machte. Ärgerlich nur, dass die Käufer fortan diesen Stil von ihm erwarteten und „nüchternere“ Songs völlig uninteressant fanden. Hawkins selbst sagt, damals habe er ein Monster erschaffen, dessen Leben er fortan führen musste. Das merkt man dem folgenden Video gut an: Er inszeniert das Voodoo-Spektakel mehr schlecht als recht, halb selbstironisch, halb Trunkenheit vortäuschend. Aber das Lied hat Ohrwurmcharakter.

Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=orNpH6iyokI

Tom Waits

Tom Waits gehört ebenfalls zu den Sängern, die mit dem Image des ständig Betrunkenen liebäugeln. Besonders gut wird er meines Erachtens, wenn er Balladen intoniert. Es geht das Gerücht, er habe sich seine Art zu singen patentieren lassen. Was dafür spricht, dass auch hier viel Show hinter seinen Auftritten steckt. Der „Tom Trauberts Blues“ ist seine Bearbeitung eines australischen Traditionals, „Waltzing Mathilda“.

Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=XrkThaBWa5c

Phillipe Léotard

Im Roman nicht mehr namentlich genannt ist Phillipe Léotard. Auch er gehört in die Riege der Musiker, die ideal zu einer „durchzechten Nacht“ passen. Seine Stimme ist ebenso gebrochen wie die von Hawkins oder Waits. Und wenn er während der Aufnahme in Melancholie verfällt, möchte ich ihm am liebsten den Arm um die Schulter legen, so herzzerreißend traurig klingt das Ergebnis. Wie hier bei „Avec le temps“, einem Klassiker von Léo Ferré, den Léotard auf seine ganz eigene Art neu interpretiert.
Da die französischen Radiosender eine Quote mit nationaler Musik erfüllen müssen, ist es fast zwangsläufig, dass ein Sender, der Hawkins und Waits spielt, an Léotard nicht vorbeikommt.

Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=2GvBorsPCig
 
 

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