Edmund Schwan

Name: Edmund Schwan

Datum: Sonntag, 27 Oktober, 2002 um 13:43:04
Kommentar:

Was macht jemand, der auf der Suche nach Nähe die Zähne ausbeißt? So geht es dem Journalisten Stephan mit der Frau seines Herzens. Es ist das langsame Wachsen einer zunächst spröden Beziehung – aber er stößt immer wieder auf Mauern.

Mauern, die gebaut sind aus Selbstschutz – und die eine einstmals fröhliche junge Frau so verändert haben, daß sie sich nur noch um Unauffälligkeit bemüht.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, macht er sich auf nach Griechenland. Ohne ein Konzept, aber mit dem Wunsch, den Menschen zur Rede zu stellen, dessen Schatten sich über seine Freundin – und damit auch über ihre Beziehung – gelegt hat.

Es ist eine Mischung von Haß und Neugier, die ihn treibt. Völlig unverständlich, völlig undenkbar für ihn, warum ein Mann mit einer Frau so umgehen sollte, wie es passiert ist. Als er schließlich selber in eine ähnliche Situation kommt, wandelt sich die Undenkbarkeit in ein Erschrecken vor dem, was selbst in ihm steckt.

Unterscheidet er sich eigentlich so sehr von seinem Kontrahenten? Stephan macht eine Wandlung durch, die er sich nicht hätte träumen lassen. Und er merkt, dass die Theorie – was nicht sein kann – und die Praxis – was dann doch ist – reichlich weit auseinander liegen können…

Prädikat: Lesenswert! Der Autor nimmt den Leser mit auf eine eher ungewollte Selbstentdeckungsreise. Besonders gut gelungen ist dabei die Nähe zur Gedankenwelt der Hauptfigur. Diese enge gedankliche Begleitung läßt den Spannungsbogen gelingen. In die nicht wenigen Weichenstellungen wird der Leser einbezogen – er kann sich identifizieren mit: „Mach‘ das bloß nicht, Mann!“ oder „An deiner Stelle würde ich genau so (oder – würde ich anders) handeln.“ Schade ist, daß die Freundschaft, die Auslöser der Reise war, über den Erlebnissen völlig an den Rand gerät. Und daß auch offen bleibt, ob sich das alles gelohnt hat… (aber vielleicht kommt es gar nicht darauf an ?)

Seine Kritik bezieht sich noch auf die erste Fassung des Romans, die 2002 unter dem Titel „Das dritte Prinzip“ in der éditions ennka erschien.

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