Thomas Hermey

21.09.2012

Lieber Norbert!

Vor einigen Tagen las ich Dein Buch zu Ende. Nun will ich Dir ein paar Zeilen dazu schreiben.

In der ersten Hälfte fand ich Dein Buch langwierig; es fehlte mir deutlich die Spannung. Eine Liebesgeschichte… Sie plätscherte dahin. Allerdings hast Du mir mit Deinen Ortsbeschreibungen sehr viel Genuss bereitet und mein Interesse auf Hamburg geweckt. Mit Stephan machte ich schließlich in Paris eine längere Pause, bis eine Rezession mein Interesse geweckt hat und ich weiterlas.

In Korfu angelangt war ich wieder fasziniert von Deinen Beschreibungen der Landschaft und der Gesellschaft. (Nun habe ich Lust, Urlaub auf Korfu zu machen.) Leider überschatten aber Deine wunderbaren Beschreibungen die Thematik der Vergewaltigung in einem erheblichen Maße, rücken sie in den Hintergrund, banalisieren sie, machen sie manchmal störend. Natürlich, Du wolltest den Frieden zerstören. Aber das Meiste in Deinem Buch ist Frieden. Das wird meiner Meinung nach dem Thema nicht gerecht. Ich will Dir nicht unterstellen, dass Du Vergewaltigungen relativieren wolltest. Doch, ohne es zu wollen, habe ich genau diesen Eindruck nach dem Buch gehabt. Ich glaube, es gibt Themen, die kann man einfach nicht lieblich beschreiben. Die Andeutungen zwischen den Zeilen, die Du am Schluss des Buches näher erklärst, sind zu zart, als das ich, der banale Leser, sie verstehen oder erkennen würde. Freilich, nach Deinen Erklärungen schon, aber für mich gehören sie deutlicher in den Text.

Deine Protagonisten sind Randfiguren. Dieses Thema verlangt aber für mich normale Menschen. Wenn jede dritte Frau einmal in ihrem Leben vergewaltigt wird, müssen das die normalen Männer tun. Ansonsten lehnt man sich zurück und denkt: typisch Künstler. Ist ja nicht anders von denen zu erwarten. Aber genau das ist es ja nicht!

In der Inhaltsangabe schließt Du das Thema Vergewaltigung gänzlich aus. Für mich stellst Du dabei ein anderes Buch vor als das, was ich las.

Von Stil her finde ich Dein Buch, besonders in der zweiten Hälfte, wunderbar, und es bescherte mir herrliche Lesestunden, für die ich mich bei Dir sehr gerne bedanke. Und, etwas, das Du sicherlich erreichen wolltest: ich habe lange über dieses Buch nachgedacht.

Ich grüße Dich herzlich
Thomas

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